



Erfahrungsbericht
Micha K., Wirtschaftsinformatik, 2. Semester, Peru, Lima, Universidad San Ignacio de Loyola, Wintersemester 2024/25
Guten Tag, werte Leser,
mein Name ist Micha Krampulz und ich habe das Privileg, Ihnen von meinem Auslandssemester in Lima, Peru, zu erzählen. Ich startete im August 2024 und trat im Dezember desselben Jahres die Heimreise an. Ich befand mich im ersten Mastersemester und zugleich meinem ersten Semester an der Hochschule Stralsund. Als ich durch das International Office von den vielfältigen Auslandsmöglichkeiten hörte, dachte ich zunächst, mein Master sei zu kurz, um es mit dem vermeintlich langwierigen Bewerbungsprozess und den Vorbereitungen aufzunehmen. Doch dann bekam ich eine E-Mail, in der die Erasmus-Restplätze ausgeschrieben wurden, und beschloss, mich an den für mich interessantesten Standorten zu bewerben.
Meine erste Wahl fiel auf Peru, da es mich reizte, zum einen das erste Mal Lateinamerika zu besuchen und zum anderen dieses kultur- und geschichtsreiche Land zu erforschen. Die Universidad San Ignacio de Loyola war dabei bereits als Partneruniversität vorgegeben.
Der Bewerbungsprozess war sehr einfach und übersichtlich. Ich musste die notwendigen Unterlagen wie Zeugnisse, Lebenslauf und ein Motivationsschreiben einreichen und diese Dokumente auch an die Universität in Lima schicken. Alles in allem war es ein sehr kurzer Prozess. Da ich an der Restplatzausschreibung teilgenommen hatte, wusste ich erst relativ spät sicher, dass ich angenommen wurde und den Schritt in die weite Welt wagen durfte. Daher fiel die Vorbereitung eher spärlich aus und beschränkte sich auf einige Lektionen Duolingo sowie eine Liste mit Reisezielen, die ich auf keinen Fall verpassen wollte.
Ich machte mir Sorgen über das rechtzeitige Finden einer Unterkunft, was sich jedoch als unbegründet erwies, da die Universität Wohnungen im Umkreis der Fakultäten vermittelte. Aufgrund der immensen Ausmaße Limas und der chronisch schlechten Verkehrssituation müssen sich internationale Studierende zwischen zwei Optionen entscheiden: Entweder sie suchen sich eine Wohnung in La Molina, dem Viertel der Universität, und haben einen stressfreien Weg zur Universität, an der eine Anwesenheitspflicht von mindestens 70 Prozent besteht (man kann den Vorlesungen bis zu einem gewissen Grad auch online beiwohnen), oder sie wählen Miraflores, Barranco o. Ä., Standorte direkt am Meer mit Freizeitmöglichkeiten und den „Ausgehvierteln“ der Stadt. Dafür ist der Weg zur Universität jedoch relativ lang, entweder mit dem Bus oder mit Uber.
Ich entschied mich für La Molina. Den Spaziergang zur Universität habe ich stets genossen, auch wenn ich gerne öfter surfen gegangen wäre. Ich wohnte mit sieben anderen internationalen Studierenden zusammen. Wir hatten einen sehr guten multikulturellen Austausch und haben oft gemeinsam etwas unternommen. Das Haus war sehr schön gelegen, sicher und sogar mit einem Pool ausgestattet.
Die Peruaner sind äußerst freundliche Menschen. Die einheimischen Studierenden suchten oft den Kontakt und investierten in Freundschaften. Auch Leute aus dem Alltag waren außergewöhnlich freundlich – so wurde unsere WG zweimal von einer lokalen Marktverkäuferin zum Essen eingeladen. Die vorherrschende Religion ist der Katholizismus, und es gibt viele Kirchen in der Stadt, eine Kapelle sogar auf dem Campus.
Mein Alltag war stark von den Präsenzveranstaltungen an der Universität geprägt. Ich hatte an vier Tagen in der Woche Unterricht, und die zahlreichen Abgaben während des Semesters waren eine zeitfüllende Beschäftigung. Ein bemerkenswerter Unterschied zu meinen Erfahrungen in Deutschland ist, dass die Abschlussprüfung nur 20–30 Prozent der Endnote ausmacht. Der Großteil wird durch Abgaben, Quizze oder Präsentationen während des Semesters bestimmt. Diese Aufgaben waren jedoch stets gut zu bewältigen und mit relativ wenig Arbeitsaufwand verbunden. Bei etwas Beteiligung während des Unterrichts fielen die Bewertungen der Professoren sehr wohlwollend aus.
Die Universität bot auch ein vielfältiges Sportprogramm an, und ich entschied mich, beim Volleyball mitzumachen. Das war eine ausgezeichnete Entscheidung – einerseits für die körperliche Betätigung, andererseits, um Kontakte zu knüpfen. Eine Freundesgruppe, die in jeder freien Minute im sogenannten Kolosseum Volleyball spielte, „adoptierte“ mich und meine japanische WG-Kollegin. Gemeinsam unternahmen wir oft etwas. Der Höhepunkt war das regelmäßig stattfindende uniinterne Sportturnier namens FestiUsil. Es war ein toller Wettkampf, bei dem ich mit einigen meiner neuen Freunde zusammen oder gegen sie spielen konnte.
In meiner Freizeit besuchte ich außerdem ein Fitnessstudio (viel günstiger als in Deutschland) und ein Internetcafé. Auch dort waren die Leute sehr freundlich.
Da ich relativ kurzfristig die Reise nach Peru antrat, hatte ich kaum Zeit, Spanisch zu lernen – etwas, das ich definitiv empfehlen würde, da die meisten Leute kein Englisch sprechen. Ich belegte einen Sprachkurs an der Uni und beherrschte nach einiger Zeit die absoluten Grundlagen, aber Spanischkenntnisse bereichern die Erfahrung ohne Zweifel.
Kurz vor den Prüfungen besuchten mich zwei Kollegen aus Deutschland für drei Wochen, und wir bereisten gemeinsam das Land. Wir reisten per Bus von Westen nach Osten – von Lima nach Cusco, über Paracas, Nazca, Arequipa, Puno und schließlich Cusco. Neben den kulturellen und historischen Stätten wie Machu Picchu, dem Heiligen Tal oder den Nazca-Linien hat Peru alles zu bieten: Strand, Gebirge, Dschungel im Amazonasgebiet und Wüste. Dementsprechend vielfältig ist auch das Klima, und man sollte sich auf unterschiedliche Temperaturen einstellen.
Alles in allem hatte ich eine wunderbare Zeit in Peru und konnte viele neue, wertvolle Erfahrungen sammeln. Ich empfehle jedem, diese Möglichkeit wahrzunehmen, da man Einblicke in eine komplett neue Umgebung bekommt – sowohl landschaftlich als auch kulturell. Auch für den Unterricht an der Universität bin ich dankbar. Die Dozenten waren sehr motiviert und haben uns viel Interessantes über die Wirtschaft und Geschichte des Landes erzählt. Meine Kurse hießen: World History, Global Management Strategy, Negotiation and Leadership sowie Elementary Spanish.
Die Universität und die Stadt Lima haben viel zu bieten – sei es, um den Alltag mit Altbekanntem zu füllen oder Neues auszuprobieren. Auch das Zusammentreffen mit internationalen Studierenden aus aller Welt war ein großes Privileg.