Erfahrungsbericht

Andreas G., Leisure and Tourism Management, 7. Semester, Zypern, Pyla, University of Central Lancashire Cyprus, Wintersemester 2025/26

 

Im Rahmen meines Studiums Leisure and Tourism Management an der Hochschule Stralsund habe ich ein Erasmus-Auslandssemester an der University of Central Lancashire Cyprus (UCLan Cyprus) absolviert. Während meines Aufenthalts habe ich gemerkt, wie wenig man eigentlich benötigt, um glücklich zu sein. Viele Menschen auf Zypern haben materiell nicht viel, wirken aber dennoch freundlich, entspannt und zufrieden – davon können wir uns in Deutschland definitiv eine Scheibe abschneiden. 

 

Hinweise zur Suche und Bewerbung 

Auf die UCLan Cyprus bin ich durch eine Freundin aufmerksam geworden, die selbst bereits zwei Erasmus-Auslandssemester über die Hochschule Stralsund absolviert hatte. Sie berichtete sehr positiv von ihrer Universität auf Zypern. Zusätzlich hatten auch mehrere Freunde aus Stralsund ihr Auslandssemester dort verbracht und erzählten von einem aktiven Sozialleben und vielen Freizeitmöglichkeiten. Außerdem ist Zypern als Tourismusdestination zwischen Europa und Asien sehr spannend und vielseitig. Mir war bei der Auswahl besonders wichtig, ein angenehmes Studienumfeld mit moderner Ausstattung zu haben, ein Studienprofil, das zu meinem bisherigen Studium passt, sowie eine direkt angeschlossene Studentenunterkunft. Der Bewerbungsprozess verlief sehr unkompliziert und schnell. Neben der Erasmus-Bewerbung musste ich ein kurzes Motivationsschreiben sowie meine aktuelle Notenübersicht einreichen. Die Zusage erhielt ich zeitnah, anschließend wurden organisatorische Dinge wie der Studentenausweis geregelt. Alles ließ sich problemlos online abwickeln. 

 

Vorbereitung 

Da ich nahtlos von einem Auslandspraktikum in mein Auslandssemester gewechselt bin, blieb mir nicht besonders viel Zeit zur Vorbereitung. Ich habe mich im Vorfeld hauptsächlich über Zypern informiert, insbesondere zu Geschichte, Politik, Tourismus und Freizeitmöglichkeiten. Weitere konkrete Vorbereitungsmaßnahmen habe ich nicht getroffen. Rückblickend hätte ich mich jedoch intensiver über Möglichkeiten informieren sollen, mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt zu kommen, da man sich an der UCLan stark in einer eigenen Studentenbubble bewegt. 

 

Unterkunft 

Ich habe im Student Nest der UCLan Cyprus gewohnt, das etwa fünf Minuten fußläufig von der Universität entfernt liegt. Die Unterkunft war insgesamt in Ordnung: Die WG verfügte über eine große Küche, einen großzügigen Balkon, WLAN sowie einen Pool. Allerdings war die Ausstattung sehr spärlich, sodass man viele Dinge wie Geschirr, Besteck oder Putzmittel selbst neu kaufen musste, was auf Dauer eher nervig war. Die Zimmer selbst waren funktional, man fühlte sich jedoch nicht wirklich heimisch. Überrascht hat mich außerdem, dass Müll auf Zypern nicht getrennt wird. Das Zusammenleben mit meinen WG-Mitbewohnern empfand ich teilweise als belastend, da viel Party in der Wohnung gemacht wurde und wenig Rücksicht genommen wurde. Leider habe ich nicht mit anderen Erasmus-Studierenden zusammengewohnt, was ich mir eigentlich gewünscht hätte. Insgesamt war das Studentenleben in der Unterkunft eher ruhig – auch an Wochenenden passierte dort kaum etwas. 

 

Studium und Alltag 

Mein typischer Studientag bestand ausschließlich aus Vorlesungen. Diese fanden meist von 9 bis 11 Uhr, von 11 bis 13 Uhr und von 14 bis 16 Uhr statt, mit einer einstündigen Mittagspause dazwischen, die wir häufig in der Cafeteria bei einem Iced Coffee verbracht haben. Nachmittags hatten wir teilweise noch eine weitere Vorlesung oder sind in die Bibliothek gegangen, um Inhalte nachzuarbeiten. Inhaltlich belegte ich Module zu Tourist Experience and Motivation, Creativity and Innovation sowie zur beruflichen Zukunftsplanung. Besonders praxisnah war das Modul Creativity and Innovation, in dem wir anhand eines Fallbeispiels den Kreativitätsprozess in Unternehmen analysiert haben. Das Modul The Tourist: Experience and Motivation war hingegen sehr theoretisch und konzeptionell, was mir persönlich weniger zugesagt hat. Verantwortung im Studium hatte ich darüber hinaus nicht. 

 

Kultur, Sprache und Umfeld 

Die Lehrkräfte an der Universität habe ich als sehr entspannt erlebt – alle wurden mit Vornamen angesprochen, was für mich zunächst ungewohnt, aber angenehm war. Außerhalb der Universität wirkten die Menschen auf Zypern freundlich und zufrieden. Kulturell ist mir besonders der entspannte Umgang mit Zeit aufgefallen, vor allem im öffentlichen Nahverkehr. Busse kamen meist, wann sie wollten, und man musste dem Fahrer deutlich signalisieren, dass man mitfahren möchte – sonst fuhr er einfach weiter. Sprachlich bin ich sehr gut zurechtgekommen, da Englisch aufgrund des Tourismus weit verbreitet ist. An der britischen Universität wurde ohnehin ausschließlich Englisch gesprochen. Kontakt zu Einheimischen hatte ich allerdings kaum, hauptsächlich bewegte ich mich im Kreis anderer Erasmus Studierender. 

 

Freizeit und Infrastruktur 

In meiner Freizeit habe ich viel Sport im universitätseigenen Fitnessstudio gemacht oder bin laufen gegangen. Viele Events wurden von Erasmus Student Nicosia organisiert, wofür man allerdings nach Nicosia reisen musste. Besonders positiv in Erinnerung geblieben ist ein dreitägiger Ausflug ins Troodos-Gebirge mit rund 100 Erasmus-Studierenden. Dabei konnten wir Bergdörfer besichtigen, einen Weihnachtsmarkt besuchen und regionale Produkte probieren. Zypern bietet zudem viele sehenswerte Orte, wie ein verlassenes Frachtschiff im Westen der Insel oder das Kloster Kykkos. Insgesamt ist die Infrastruktur jedoch ohne eigenes Auto eher eingeschränkt, was den Alltag teilweise erschwert. 

 

Tipps & Fazit 

Ein Auslandssemester an der UCLan Cyprus eignet sich besonders für Studierende, die Sonne, Strand und eine internationale Atmosphäre schätzen und gleichzeitig eine andere Kultur kennenlernen möchten. Für Studierende, die viel Wert auf Kulturangebote, Mobilität und ein aktives Campusleben legen, ist der Standort Pyla eher weniger geeignet. Rückblickend würde ich empfehlen, eher in Nicosia zu studieren, da dort deutlich mehr los ist. Persönlich nehme ich aus dem Auslandssemester viel Dankbarkeit und Wertschätzung mit – vor allem für meine Heimat, meine Familie und Freunde. Gleichzeitig habe ich erkannt, wie wichtig Tourismus als wirtschaftliche Grundlage für Länder wie Zypern ist. Ich würde mich rückblickend nicht erneut für Zypern entscheiden. Die Insel ist relativ klein, viele Orte sind schnell gesehen, und ohne Auto ist man in seiner Mobilität stark eingeschränkt. Zudem fehlten an der Universität echte Begegnungsräume und Freizeitangebote, was dazu geführt hat, dass ich mich teilweise einsam gefühlt habe. Dennoch war es eine wertvolle interkulturelle Erfahrung, die meinen persönlichen Horizont erweitert hat.