


Erfahrungsbericht
Emily M., Leisure and Tourism Management, 5. Semester, Spanien, Teneriffa, Universidad de la Laguna, Wintersemester 2025/26
Zwischen Vulkanen und Vorlesungen - mein Auslandssemester auf Teneriffa
Im Rahmen meines fünften Semesters entschied ich mich dazu, mein Auslandssemester an der Universidad de La Laguna (ULL) auf Teneriffa zu absolvieren. Schon lange hatte ich den Wunsch, für eine gewisse Zeit im Ausland zu studieren, um nicht nur meine Sprachkenntnisse zu verbessern, sondern auch persönlich zu wachsen, neue Perspektiven kennenzulernen und den eigenen Horizont zu erweitern.
Teneriffa bot dafür eine besondere Kombination: europäischer Studienalltag, spanische Sprache, aber gleichzeitig eine völlig andere Natur, Kultur und Lebensweise.
Rückblickend war dieses Semester einer der herausforderndsten, aber auch schönsten Abschnitte meines bisherigen Studiums.
Bewerbungsprozess und Vorbereitung
Der Bewerbungsprozess für das Auslandssemester an der ULL war grundsätzlich gut machbar. Allerdings gab es seitens der Austauschuniversität technische Probleme, sodass ich die notwendigen Informationen für die Bewerbung sowie für das Online-Learning-Agreement erst drei Tage vor dem Bewerbungsschluss erhalten habe. Das hat den gesamten Prozess ziemlich stressig gemacht, da alles sehr kurzfristig organisiert werden musste und viel Geduld gefragt war. Zum Glück hat am Ende alles funktioniert.
Eine der wichtigsten Vorbereitungen für ein Studium auf den Kanaren ist die Beantragung der NIE (Número de Identidad de Extranjero). Hier kann ich klar die NIE verde empfehlen. Der Prozess ist zeitaufwendig und erfordert viel Geduld, da Termine oft schwer zu bekommen sind und Abläufe nicht immer klar kommuniziert werden. Dennoch lohnt sich der Aufwand sehr. Mit der NIE verde erhält man unter anderem kostenlose Bus- und Bahnfahrten sowie starke Vergünstigungen für Inlandsflüge und Fähren.
Rückblickend war sie einer der größten finanziellen und organisatorischen Vorteile meines Aufenthalts.
Mein wichtigster Rat dazu: Frühzeitig informieren, Unterlagen vorbereiten und sich darauf einstellen, dass vieles länger dauert als in Deutschland.
Wohnen und Umgebung
Die Wohnungssuche auf Teneriffa, insbesondere La Laguna war recht einfach. Ich kann die App „idealista“ empfehlen, habe meine Wohnung aber über eine Freundin gefunden. Ich habe in Las Chumberas, einem Stadtteil nahe der Universität, gewohnt. Diese Entscheidung war für mich ideal. Mein täglicher Weg zur Uni betrug etwa 15 Minuten zu Fuß, was den Alltag extrem erleichtert hat. Gerade an langen Uni-Tagen war es ein großer Vorteil, nicht auf Busse angewiesen zu sein.
San Cristóbal de La Laguna selbst ist eine wunderschöne, historische Altstadt mit vielen Einkaufsmöglichkeiten, kleinen Cafés und alten, sehr schönen Gebäuden. Besonders die engen Gassen verleihen der Stadt einen besonderen Charme und machen sie zu einer tollen Kleinstadt zum Leben und Studieren. La Laguna ist mit dem Bus in etwa 15 Minuten gut von der Hauptstadt Teneriffas, Santa Cruz, erreichbar, wo es noch mehr Einkaufs-, Freizeit- und Ausgehmöglichkeiten gibt.
Studium an der ULL
Das Studium an der ULL war deutlich anders organisiert als das Studium in Stralsund. Es herrscht Anwesenheitspflicht und zudem gibt es zahlreiche Abgaben und Zwischentests, die während des gesamten Semesters zu absolvieren sind.
Mein Stundenplan war leider sehr zersplittert. Die erste Vorlesung begann oft um 9:45 Uhr, während die letzte Einheit erst gegen 20:30 Uhr endete. Dazwischen lagen viele Freistunden, die die Tage insgesamt sehr lang gemacht haben.
Ein zentraler Punkt war für mich die Sprache. Alle Vorlesungen fanden auf Spanisch statt. Obwohl ich mit einem Niveau von B1+ nach Teneriffa kam, empfand ich den Einstieg als äußerst herausfordernd. Fachbegriffe, ein hohes Sprechtempo, unterschiedliche Akzente sowie eine andere akademische Kultur erschwerten das Verständnis deutlich.
Daher meine ehrliche Empfehlung:
Studierenden mit einem Sprachniveau unter B1+ würde ich ein Studium an der ULL nicht empfehlen. Aber auch mit B1+ sind Durchhaltevermögen und hohe Lernbereitschaft notwendig.
Ein weiterer Unterschied zur HOST ist die Aufteilung der Vorlesungen in Theorie- und Praxiseinheiten. Die Theoriestunden ähneln klassischen Vorlesungen, wie man sie aus Deutschland kennt. In den Praxisstunden wurde hingegen häufig in Gruppen gearbeitet, und die Ergebnisse dieser Gruppenarbeiten mussten in den meisten Fällen abgegeben werden.
Besonders positiv hervorzuheben sind die täglichen Erasmus-Veranstaltungen, für die man sich unkompliziert anmelden kann. Das Angebot war sehr vielfältig – von Ausflügen über Freizeitaktivitäten bis hin zu Partys – sodass wirklich für jedes Interesse etwas dabei war und man schnell neue Kontakte knüpfen konnte.
Alltag und Kultur
Der Alltag auf Teneriffa unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht vom deutschen Alltag. Zwar ist der Studienalltag durch die Universität gut strukturiert und zeitintensiv, dennoch wirkt das Leben insgesamt entspannter, spontaner und weniger durchgetaktet als in Deutschland. Gerade deshalb lohnt es sich, die Wochenenden möglichst freizuhalten, um die Insel zu erkunden – sei es für Ausflüge ans Meer, in die Berge oder in andere Städte.
Kulturell habe ich die Menschen auf Teneriffa als sehr herzlich und natürlich erlebt. Trotz anfänglicher sprachlicher Unsicherheiten fühlte ich mich meist willkommen und respektiert. Die freundliche und hilfsbereite Art der Menschen hat es mir erleichtert, mich mit der Zeit immer wohler zu fühlen.
Freizeit und Inselerlebnisse
Teneriffa ist eine Insel der Kontraste mit Vulkanlandschaften, schwarzen Stränden, Wäldern, Steilküsten und kleinen Bergdörfern. In meiner Freizeit war ich viel unterwegs, unter anderem bei Ausflügen zum Teide, bei Strandtagen, beim Schnorcheln oder beim Beobachten von Sonnenuntergängen am Meer. Dank der NIE verde und der sehr guten Busverbindungen konnte ich mich kostenlos und unkompliziert über die gesamte Insel bewegen. Die Natur war für mich einer der wichtigsten Ausgleichsfaktoren zum anspruchsvollen Studienalltag, da es gerade nach langen Lerntagen sehr geholfen hat, ans Meer zu fahren oder am Wochenende neue Orte zu entdecken.
Sehr lohnenswert ist es außerdem, ein Auto zu mieten und die Insel auf eigene Faust zu erkunden, da viele abgelegene Küstenabschnitte, kleine Dörfer und beeindruckende Aussichtspunkte am besten so erreichbar sind. Gerade diese Vielfalt macht Teneriffa so besonders.
Fazit
Mein Auslandssemester an der ULL war eine intensive, herausfordernde und gleichzeitig unglaublich bereichernde Erfahrung. Ich habe nicht nur meine Sprachkenntnisse verbessert, sondern auch gelernt, mit Unsicherheit, kulturellen Unterschieden und organisatorischen Hürden umzugehen.
Teneriffa hat mir gezeigt, wie viel persönliches Wachstum außerhalb der Komfortzone möglich ist. Trotz aller Schwierigkeiten hatte ich eine sehr schöne Zeit und Erinnerungen gesammelt, die ich nicht missen möchte.