Erfahrungsbericht

Jennifer K., Leisure and Tourism Management, 5. Semester, Spanien, Teneriffa, Iriarte Escuela de Turismo, Wintersemester 2025/26

 

Mein Wintersemester 2025/26 habe ich an der Iriarte Centro Universitario in Puerto de la Cruz auf Teneriffa verbracht. Ausschlaggebend für meine Entscheidung war  die Möglichkeit, Tourismus in einer stark vom internationalen Tourismus geprägten Region zu studieren und gleichzeitig meine Spanischkenntnisse im Alltag und im Studium weiterzuentwickeln.

 

Studieren und die Universität

Die Iriarte ist eine sehr kleine Universität, an der Erasmus-Studierende etwa die Hälfte der Studierenden ausmachen. Die meisten Kurse bestehen aus ungefähr 20 Personen, wodurch eine überschaubare Lernatmosphäre entsteht.

Die Vorlesungen finden von Montag bis Donnerstag zwischen 9 und 14 Uhr statt. Wer am freiwilligen Spanischkurs teilnimmt, bleibt an zwei Tagen bis 16 Uhr. Anders als in Deutschland besteht Anwesenheitspflicht, die durch Unterschrift dokumentiert wird.

Die Endnote setzt sich in der Regel aus mehreren Bestandteilen zusammen: Anwesenheit, aktive Teilnahme während des Semesters sowie zwei Prüfungen (Midterm und Endprüfung). Alternativ besteht die Möglichkeit, die sogenannte „evaluación única“ zu wählen und den Kurs ausschließlich durch eine Abschlussprüfung zu bestehen. Diese Option ist insbesondere bei Erasmus-Studierenden beliebt, da sie dem deutschen System ähnelt und organisatorisch mehr Flexibilität bietet.

Die Lehrmethoden waren unterschiedlich. Manche Dozierende arbeiteten überwiegend mit Gruppenprojekten, andere gestalteten ihre Veranstaltungen als klassische Vorlesungen. Der Umgang mit den Lehrenden war eher locker als formell, durch die Sprachbarriere jedoch nicht immer sehr persönlich.

Viele als englischsprachig gekennzeichnete Kurse werden teilweise oder vollständig auf Spanisch gehalten. Prüfungen und Abgaben können jedoch immer auf Englisch eingereicht werden. Um den Vorlesungen gut folgen zu können, würde ich ein Spanischniveau von mindestens B1 empfehlen.

 

Organisation und Vorbereitung

Die Bewerbung verlief unkompliziert über das Bewerbungsportal der HOST. Eine zusätzliche Bewerbung an der Iriarte war nicht erforderlich. Auch die Einschreibung vor Ort verlief problemlos. Insgesamt ist die Organisation an der Universität eher locker strukturiert.

Ein wichtiger organisatorischer Punkt ist die Beantragung der NIE (Número de Identidad de Extranjero). Es ist sehr empfehlenswert, sich frühzeitig um einen Termin zu kümmern, da diese schnell vergeben sind. 

Die NIE bringt deutliche Vorteile mit sich: Mit ihr kann man die Busse kostenlos nutzen und erhält Fähr- und Flugrabatte für Reisen zwischen den Kanarischen Inseln. Für ein Semester auf Teneriffa ist sie daher aus meiner Sicht sehr empfehlenswert.

 

Wohnen und Lebenshaltungskosten

Da die Iriarte kein eigenes Studentenwohnheim besitzt, erfolgt die Wohnungssuche privat. Die Universität bietet hierbei Unterstützung an. Ich habe mein WG-Zimmer über „Idealista“ gefunden, was ich weiterempfehlen kann.

Die Mietpreise in Puerto de la Cruz sind deutlich höher als ich es aus Stralsund gewohnt war. Auch die Lebensmittelpreise empfand ich als leicht höher als in Deutschland, was auf einer Insel jedoch nicht ungewöhnlich ist.

 

Alltag, Mobilität und soziales Leben

Puerto de la Cruz ist eher ruhig, aber stark touristisch geprägt. Dadurch bewegt man sich im Alltag ständig zwischen lokalem Leben und internationalem Tourismus.

Innerhalb der Erasmus-Community herrschte von Beginn an eine offene und einladende Stimmung. Gerade am Anfang wurden viele gemeinsame Aktivitäten organisiert, sodass man schnell Anschluss fand. Häufig traf man sich abends in Bars oder plante gemeinsame Ausflüge über die Insel.

Die Integration mit Einheimischen gestaltete sich etwas schwieriger, vor allem aufgrund begrenzter natürlicher Kontaktpunkte. Dennoch wurden Versuche, auf Spanisch zu kommunizieren, sehr positiv aufgenommen.

Dank der kostenlosen Busse (wegen der NIE!) kommt man gut ohne eigenes Auto zurecht. Für Ausflüge in weiter entfernte Regionen ist ein Mietwagen jedoch angenehmer. Außerhalb der Hauptsaison sind Mietwagen bezahlbar, insbesondere wenn man sich die Kosten teilt.

Ein weiterer Vorteil des Standorts ist das Klima: Selbst in den Wintermonaten liegen die Temperaturen bei etwa 16 Grad oder darüber, sodass ganzjährig Outdoor-Aktivitäten möglich sind.

 

Fazit

Rückblickend bin ich sehr dankbar für mein Semester auf Teneriffa. Die Kombination aus kleiner Universitätsstruktur, internationalem Umfeld und dem besonderen Standort auf einer touristisch geprägten Insel hat mein Erasmussemester zu einer wertvollen Erfahrung gemacht.

Auch wenn der akademische Anspruch geringer war als an meiner Heimathochschule, konnte ich fachlich neue Perspektiven im Bereich Tourismus gewinnen – insbesondere dadurch, das Studium in einem Umfeld zu erleben, in dem Tourismus den Alltag prägt. Gleichzeitig hatte ich die Möglichkeit, meine Spanischkenntnisse deutlich zu verbessern und mich im internationalen Kontext weiterzuentwickeln.

Puerto de la Cruz ist kein typischer „Großstadt-Erasmus-Ort“, bietet aber durch seine Lage, das milde Klima und die landschaftliche Vielfalt der Insel zahlreiche Möglichkeiten, die Zeit außerhalb der Vorlesungen aktiv zu gestalten.

Ich würde ein Semester an der Iriarte insbesondere Studierenden empfehlen, die Wert auf eine entspannte Studienatmosphäre legen, sich sprachlich weiterentwickeln möchten und bereit sind, das Inselleben aktiv für sich zu nutzen.