Erfahrungsbericht

Lena M., Leisure and Tourism Management, 5. Semester, Schweden, Kalmar, Linnaeus University, Wintersemester 2025/26

 

Zwischen Fika, Trips und Uni-Library -Mein Erasmussemester in Kalmar

 

Bewerbungsprozess und Vorbereitung

Durch frühere Reisen und den Schwedisch-Kursen an der HOST war früh klar, dass ich nach Schweden will. Nach etwas Recherche über jeweiliges Soziales, Lage und Kurse an den Partnerunis habe ich mich dann für die LNU entschieden. Nach Bewerbung im Outgoing-Portal kam verhältnismäßig früh, Anfang April, die Info zur Fächerwahl. Als Vorbereitung hatte ich mich über Studium, Ausflüge und Must Sees informiert und schwedische Filme und Serien angeschaut und schwedische Musik gehört. 

 

Wohnungssuche und Unterkunft

Dieser Aspekt lief trotz anfänglicher Sorgen echt sehr leicht. In Kalmar gibt es eine Wohnungsgarantie für Studierende, ich habe jedoch direkt gesucht, mich so schnell wie möglich auf der Website von Kalmarhem angemeldet, und so für jeden Tag „Queuing-points“ gesammelt. Dann habe ich mich auf möblierte Zimmer in Wohnheimen beworben und konnte ein paar Tage später schon zusagen. Da ich früh dran war lief meine Miete schon ab 1.Juni, obwohl das Semester und Introduction erst Ende August starten. Bei Kalmarhem zahlt man zwischen mitte Juni und mitte August nämlich keine Miete. Nicht alle Zimmer sind möbliert, also sollte man darauf achten. Ich habe in der Bremergatan in einem Zimmer mit eigenem Bad und geteilter Küche gewohnt, und etwa 420€/Monat bezahlt.

 

Universität und Studium

Im Gegensatz zu Deutschland, hat man in Schweden immer nur 1 Kurs gleichzeitig. Diese gehen dann immer 4-5 Wochen lang und statt großer Prüfungsphase am Ende des Semesters finden Prüfungen jeweils am Ende oder währenddessen statt. Das macht es einerseits am Ende deutlich stressfreier, aber man hüpft während des Semesters manchmal sehr von Deadline zu Deadline. Die Kurse in Schweden finden anders als in Stralsund meistens nur 2-3 Mal pro Woche statt. Wissenstransfer soll also hauptsächlich im Selbststudium passieren. Es werden viele Essays geschrieben, in jedem Kurs gab es eine Groupwork, und immer volumenstarke Mandatory readings, wobei man aber ohne diese gelesen zu haben auch recht gut durchkommt. Ich würde die Kurse nicht als sehr anspruchsvoll einordnen, aber durch die vielen Essays und Groupworks ist der Zeitaufwand nicht zu unterschätzen. Der Campus in Kalmar ist neu und sehr modern. Vor allem die Bibliothek ist immer sehr beliebt. Wer dort Stille erwartet ist aber wohl in den quiet rooms besser aufgehoben. In den meisten Bereichen wird oft zusammengearbeitet und sich ausgetauscht. Wir haben die Bib immer liebevoll als unser „Wohnzimmer“ bezeichnet, und dort neben Uni-tasks auch einfach viel Quality-time genossen und gequatscht. Statt Mensa sind überall Mikrowellen zum Essen aufwärmen verteilt. 

 

Alltag, Freizeit und Reisen

Meine Zeit in Kalmar war nie langweilig. Es finden regelmäßig Events und ein paar Reisen/Ausflüge von Uni-Gremien wie Linnekåren und ESN statt. Zusätzlich haben wir auch immer viel selbst geplant und von Café-Besuchen über Spieleabende, Kurztrips und Partys viel unternommen. Außerdem gehen viele Erasmus-Leute in eins der vielen Gyms mit Studie-Preisen. Auch wenn mal weniger los war hat man immer Leute in der Bib getroffen und war zusammen bisschen produktiv oder hatte einfach eine gute Zeit. Mit Blick auf die Stadt und kleinen Hafen ist es dort auch einfach sehr gemütlich und wir haben viel Zeit dort verbracht. Was Partys angeht gibt es nur einen Klub (Krögers) und aber mehrere Bars. Getränke sind teuer aber die meisten Bars haben bezahlbare Studie-Preise für Cider und Bier. Auch was Lebensmittel angeht, merkt man die Preisunterschiede zu Deutschland oft schon sehr. Ein Fahrrad ist sehr praktisch, da damit alles schnell erreichbar ist. Da man eben recht wenige Lectures hat kann man gut immer wieder kurze Trips machen. Von den Gremien aus organisiert gab es Öland-Trips, eine Lapplandreise im Dezember, und das Seabattle, bei dem internationale Studierende aus vielen Ländern zusammen mit der Fähre von Stockholm nach Tallinn und zurück fahren, und auf dem Schiff viele coole Events stattfinden. Selbstorganisiert war ich noch mit Erasmus-Friends in Kopenhagen, 2x in Stockholm, Göteborg, und in Uppsala zu Besuch bei einer Freundin vom Seabattle. 

 

Sprache, Menschen und Kultur

Die Schweden sind sehr liebe und freundliche Leute. Neben alten Traditionen wie dem Tanzen um den Baum in der Weihnachtszeit spielt auch die Fika-Kultur natürlich eine Rolle, und wurde von uns durch vielzählige Café-Besuche sehr gewissenhaft in den Alltag integriert. Da man als Erasmus-Studentin meist bei den höheren Semestern mit in den Kursen ist, haben die meisten schon ihre bestehenden Freundesgruppen und man ist nicht so viel in Kontakt, und deshalb oft großteils unter Internationals. In Schweden tragen die Studies zu bestimmten Anlässen bunte Overalls, die mit Patches und Sprüchen verziert sind und anderen zeigen zu welcher Fakultät jemand gehört. Mein grüner Overall war von ESN(Erasmus Student Network) und ich konnte im Laufe des Semesters einige Patches sammeln und Events damit besuchen. In den Introductionweeks tragen alle neuen ein Band mit ihrem Namen in der Farbe ihrer Fakultät um den Kopf. Diese ersten 2 Wochen sind gefüllt mit vielen Events und sind toll zum alle kennenlernen und einfach eine coole Erfahrung. Ich kann nur empfehlen alles mitzumachen was geht! Sprachlich kommt man wirklich sehr gut ohne Schwedisch aus, weil wirklich alle gut Englisch können. Manchmal ist das etwas schade, weil man sein schwedisch gerne mehr anwenden will aber oft dann schnell zu Englisch gewechselt wird. Es hilft aber trotzdem schon schwedisch zu können, weil Veranstaltungen von der Stadt und manche Uni-events auf Schwedisch sind, wenn nicht von ESN organisiert wurde. Es gibt 2 Beginner Schwedisch-Kurse. Aber da ich schon an der HOST Schwedisch hatte, war ich oft im kostenlosen Sprachcafé, das vom Roten Kreuz (Röda korset) in Kalmar jeden Donnerstag angeboten wird. Ich hatte mir erhofft mein Schwedisch mehr anwenden und vertiefen zu können, aber da man viel unter Internationals ist, ist Englisch deutlich präsenter. Weitergebracht hat mich das Semester aber trotzdem, und es war sehr schön zu merken, wie viel man dann beim Zuhören doch schon versteht und auch, dass die alltäglichen Interaktionen wirklich flüssig funktionieren. 

 

Fazit:

Ich habe meine Zeit in Schweden sehr genossen und bin sehr dankbar für all die Erlebnisse und die Menschen die ich kennenlernen durfte. Generell hätte ich bestimmt mehr Zeit in Uni investieren können, aber man kam immer gut durch und mir war es einfach sehr wichtig so viel wie geht aus meinem Semester mitzunehmen. Es war toll einen Einblick in die schwedische Studentenkultur zu bekommen und meinen eigenen Overall mit Patches und Sprüchen zu füllen. Ich habe immer bei so vielen Sachen wie möglich mitgemacht und würde auch jedes Mal wieder den Hauptfokus auf Social life und Erlebnisse legen. Das ist das, was am Ende bleibt, und Ich gehe jetzt mit neuen Freundinnen und sooo vielen schönen Erinnerungen aus dieser Zeit zurück, die im Kopf bleiben und die ich nicht missen möchte.

 

Tipps & Tricks

- Cafes: Kullzenska (alt eingerichtetes Café mit sehr leckerem Crumble) und Krusenstiernska (schönes Gartencafé, aber leider nur von April-Oktober geöffnet)

- Freier Eintritt ins Kunstmuseum jeden Freitag

- Bei Sportson kann man sich für etwa 180€ ein Fahrrad ausleihen und kann es dann am Ende des Semesters ganz unkompliziert zurückbringen und bekommt die Hälfte zurück

- Für Studentenrabatte für Verkehr und Geschäfte wird meistens nur die Mecenat-App akzeptiert