Praktikum

Praktikum

Deutsch-Schwedische Handelskammer

Malte T., International Management Studies in the Baltic Sea Region, 7. Fachsemester, Schweden, Stockholm , Wintersemester 2525/26

Ein Jahr Planung für 21 Wochen Praktikum – und wertvolle Erfahrungen fürs Leben

 

Vom 18. August 2025 bis 9. Januar 2026 absolvierte ich mein 21-wöchiges Pflichtpraktikum als Teil meines Studiums bei der Deutsch-Schwedischen Handelskammer in Stockholm. Dieser lehrreiche Aufenthalt ermöglichte es mir, wertvolle Einblicke in die Berufswelt zu erlangen, wichtige Kontakte zu knüpfen, und die schwedische Kultur in einem deutschen Kontext näher kennenzulernen.

Mit der Praktikumssuche begann ich ungefähr ein Jahr im Voraus, größtenteils beschränkt auf Schweden aufgrund meines allgemeinen Interesses am Land und positiven Erfahrungen von einer Studienexkursion nach Stockholm im September 2023. Schweden ist grundsätzlich kein gutes Land für Praktika, da es wenige Angebote gibt und teils kein Gehalt gezahlt wird. Trotzdem konnte ich eine Praktikumsstelle bei der Deutsch-Schwedischen Handelskammer online finden und mich dort bewerben. Nachdem ich nicht mehr mit einer Antwort gerechnet hatte, erhielt ich nach einigen Monaten eine Einladung zum Vorstellungsgespräch, welches sehr positiv verlief und mir sofort einen guten Eindruck vom Unternehmen vermittelte. Wenig später konnte ich dann meinen Praktikumsvertrag unterschreiben. Als nächstes folgten die Erasmus-Bewerbung und die Wohnungssuche. Um die Erasmusförderung auch rechtzeitig zu erhalten, empfehle ich, sich frühzeitig einen Überblick über die notwendigen Dokumente seitens des Unternehmens zu verschaffen. Aufgrund des Wohnungsmangels in Stockholm und meiner geringen Aufenthaltsdauer verlief die Wohnungssuche zunächst weniger erfolgreich, daher empfehle ich, möglichst früh anzufangen. Nach zahlreichen erfolglosen Bewerbungen auf Qasa und Facebook buchte ich schließlich ein Zimmer in einer Wohnung im Viertel Mälarhojden über Airbnb. Dort wohnte ich mit einem Mitbewohner und die Pendelzeit zur Arbeit betrug circa 40 Minuten. Außerdem konnte ich meine Schwedischkenntnisse mittels Wiederholung und Sprachapps auffrischen.

Mein Alltag wurde größtenteils durch Büroarbeit von 9 bis 17 Uhr geprägt, allerdings mit flexiblen Zeiten und regelmäßiger Abwechslung durch Events. Dabei war ich Teil der Abteilung Member Services, welche sich um Administration von und Kommunikation mit Mitgliedsunternehmen kümmert. Meine Aufgaben dort waren: Verwaltung von Daten im CRM-System, Kommunikation mit Mitgliedern, Marketing (z.B. auf der Webseite oder das Verschicken von Einladungen), Organisation und Durchführung von Mitgliederevents, verschiedene Recherchen, Erfolgsanalysen sowie das Aushelfen an verschiedensten Stellen, auch in anderen Abteilungen. Besonders die Arbeit mit den großartigen Kollegen in meinem Team und mit den anderen Praktikanten empfand ich als sehr angenehm, auch durch die typisch schwedische Arbeitskultur, die ohne starke Hierarchien auskommt. Lediglich ein Teil der Verwaltungsarbeit war etwas monoton. Highlights bei der Arbeit waren für mich die Events, inklusive der internen, gemeinsames Frühstückessen und die Weihnachtsfeier. Dabei konnte ich diverse Skills anwenden, unter anderem Project Management, Intercultural Management und Marketing oder meine Schwedischkenntnisse, welche sich stetig verbesserten. Insgesamt bietet die Handelskammer einen interessanten Mix aus deutscher und schwedischer Kultur und ein gutes Arbeitsklima. Ich verdiente 6000 SEK, was in etwa 540 Euro entspricht. Zusammen mit Erasmus und der Unterstützung durch meine Eltern konnte ich trotz des hohen Preisniveaus damit gut leben. Zum Arbeitsalltag kamen noch Pendeln, Einkaufen, Kochen, und gelegentlich Afterworks mit Kollegen hinzu, obwohl die meisten Freizeitaktivitäten sich auf die Wochenenden verteilt haben.

Meine Freizeit setzte sich aus Wochenenden und zwei weiteren freien Tagen pro Monat zusammen. Allein oder mit Freunden erkundete ich die Stadt und Umgebung, wozu Museen, Restaurants, Events und auch Natur gehörten. Besonders in der Freizeit war der Unterschied zwischen Sommer und Winter deutlich zu merken. Im Winter traf man auf weniger Touristen, und die geringe Menge an Tageslicht beeinflusste meine Planung zusätzlich. Trotzdem hat Stockholm auch zur dunklen Jahreszeit einiges zu bieten, besonders die Weihnachtsbeleuchtung im Advent war sehr sehenswert. Auch sportlich konnte ich mich betätigen, da es in meiner Wohngegend sehr schöne Jogging-Routen durch Parks und entlang des Wassers gab. Das Highlight meiner freizeitlichen Aktivitäten war ein Wochenendtrip nach Bergen in Norwegen zusammen mit einer anderen Praktikantin. Ebenfalls schön war der Besuch von Familie und Freunden zu verschiedenen Zeitpunkten während meines Aufenthaltes.

Mein Praktikum bei der Deutsch-Schwedischen Handelskammer in Stockholm war für mich, trotz der aufwendigen Planung, ein sehr wertvoller Lebensabschnitt. Ich war zum ersten Mal fast komplett auf mich allein gestellt, wodurch ich meine Unabhängigkeit stark verbessern konnte. Ich durfte echte Arbeitserfahrung in einer wichtigen Institution als Teil eines großartigen Teams sammeln und dabei viele neue Menschen kennenlernen, sowohl aus Schweden als auch aus verschiedenen Teilen Deutschlands, neue Freundschaften schließen und wertvolle Kontakte für das Berufsleben knüpfen. Stockholm bietet dabei eine hohe Lebensqualität mit gutem Nahverkehr, vielen Attraktionen und Nähe zur Natur, mit vielen positiven Eigenschaften einer Großstadt, aber ohne extremes Gedränge und somit einer eher entspannten Atmosphäre. Zudem hatte ich die Möglichkeit, meine erlernten Skills anzuwenden und zu verbessern sowie mein Selbstbewusstsein in der schwedischen Sprache zu steigern. Als einzige Negativpunkte kann ich die hohen Lebenskosten, langatmige Verwaltungsaufgaben und eine anfängliche Einsamkeit nennen, die aber schnell verflog. Schlussendlich beendete ich mein Praktikumssemester mit neuen Freundschaften, wertvollem Wissen, ersten Berufserfahrungen und schönen Erinnerungen fürs Leben.