


Praktikum
KnightBridge Group
Carolin H., Medizintechnische Systeme, Irland, Dublin, Wintersemester 2025/26
Zwischen Sprachkurs, Praktikum und irischem Alltag –
Mein Auslandsaufenthalt in Dublin
Ursprünglich war mein Plan klar: ein Praktikum im Medizintechnik-Bereich in Irland. Viele international bekannte Unternehmen haben ihren Sitz dort; die perfekte Gelegenheit also, fachliche Erfahrungen zu sammeln und gleichzeitig mein Englisch zu verbessern. Schnell wurde jedoch deutlich, dass der Einstieg in diese Branche in Irland nicht so unkompliziert ist wie erwartet. Viele Unternehmen setzen stark auf Empfehlungsschreiben vorheriger Arbeitgeber, sodass es ohne bestehende Kontakte schwierig ist, überhaupt in den Bewerbungsprozess zu gelangen.
Aus diesem Grund entschied ich mich, meinen Auslandsaufenthalt über eine Organisation zu planen und ihn mit einem vorgelagerten Sprachkurs zu kombinieren. Da ich längere Zeit kaum Englisch gesprochen hatte, erwies sich dieses Vorhaben als sehr wertvoll. Der Sprachkurs half mir, sprachliche Hemmungen abzubauen und wieder Sicherheit im Sprechen zu gewinnen.
Im Anschluss begann mein Praktikum bei der KnightBridge Group. Trotz professioneller Unterstützung war ein Einstieg in die Medizintechnikbranche letztlich nicht möglich. Stattdessen absolvierte ich ein Praktikum im Bereich Business Development & Operations. Die KnightBridge Group ist ein kleines Unternehmen, das Essensketten übernimmt und sämtliche organisatorische Bereiche wie Marketing, Finanzen und operative Abläufe zentral koordiniert. Mit nur fünf Mitarbeitenden herrschte eine sehr persönliche und familiäre Arbeitsatmosphäre. Gleichzeitig fehlten jedoch klare Strukturen, sodass eine eindeutige Aufgabenteilung nicht immer gegeben war. Einerseits war dies interessant, da ich dadurch Einblicke in viele unterschiedliche Tätigkeitsbereiche erhielt, andererseits wurden mir insgesamt weniger Aufgaben übertragen, als ich mir erhofft hatte.
Ein Highlight meiner Arbeit war die Organisation der Aktion „Christmas Giving Tree“. Dabei stand ich in engem Kontakt mit verschiedenen Charity-Organisationen und Waisenhäusern, um Weihnachtswünsche von Kindern zu sammeln, die sonst keine Geschenke unter dem Weihnachtsbaum gehabt hätten. Die Kinderwünsche wurden auf Weihnachtskarten geschrieben mit dem Ziel, von Kunden erfüllt zu werden.
Durch die Buchung über die Organisation wurde der gesamte Bewerbungsprozess für mich übernommen. Auch das Vorstellungsgespräch war eher ein lockeres Kennenlernen als eine klassische Bewerbungssituation – im Fokus standen meine bisherigen Erfahrungen sowie meine Fähigkeit, mich auf Englisch zu verständigen.
Da es sich um ein All-inclusive-Paket handelte, wurde auch meine Unterkunft organisiert. Ich lebte bei einer Gastfamilie, was vor allem zu Beginn sehr hilfreich war, da man schnell wertvolle Insider-Tipps erhielt. Ein echtes Gemeinschaftsgefühl entstand jedoch kaum, da jeder seinen Alltag eher für sich gestaltete. Positiv war allerdings, dass mir die aufwendige Wohnungssuche in Dublin erspart blieb. Von Freunden habe ich mitbekommen, wie frustrierend und schwierig es sein kann, eine bezahlbare Unterkunft zu finden. Plattformen wie daft.ie können bei der Wohnungssuche hilfreich sein.
Entgegen vieler Vorurteile empfand ich die Verständigung in Irland als sehr unkompliziert. Zwar gibt es unterschiedliche Akzente und in manchen Regionen wird auch Irisch gesprochen, die Alltagssprache ist jedoch Englisch.
Das absolute Highlight meines Aufenthalts war die beeindruckende Natur Irlands. Rund um Dublin befinden sich Strände, Hügel und Nationalparks, die gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden können. Aufgrund der überschaubaren Größe des Landes lassen sich zudem Wochenenden ideal nutzen, um mit einem Mietwagen Städte wie Galway oder Belfast zu erkunden. Beide Städte sind in etwa drei Stunden erreichbar und meiner Meinung nach definitiv einen Besuch wert.
Ein klarer Minuspunkt bleibt jedoch der Verkehr in Dublin. Busse kamen häufig verspätet oder fielen komplett aus. Wer sich über die Deutsche Bahn beschwert, hat den öffentlichen Nahverkehr in Dublin noch nicht erlebt, besonders bei Regen und Kälte kann das sehr frustrierend sein.
Rückblickend war mein Auslandsaufenthalt in Irland eine bereichernde Erfahrung. Ich konnte meine Sprachkenntnisse verbessern, ein neues Arbeitsumfeld kennenlernen und das Land weit über die typische Urlaubsperspektive hinaus erleben. Die Buchung über eine Organisation bedeutete zwar weniger Mitbestimmung, erleichterte jedoch die Praktikumssuche und ermöglichte mir durch den vorgelagerten Sprachkurs einen einfacheren Einstieg. Dennoch würde ich den Auslandsaufenthalt in dieser Form nicht weiterempfehlen, da in meinem Fall getroffene Absprachen nicht eingehalten wurden und meine Anmerkungen eher abgeblockt als aktiv nach Lösungen gesucht wurde.